Wir über uns

50 Jahre Gebietsverkehrswacht Lohr a. Main

Verkehrssicherheit - eine tägliche Herausforderung

1957 fanden sich 120 Lohrer Bürger in der Stadthalle ein und gründeten im beisein von Vertretern des Landkreises und der Regierung Unterfranken die Kreisverkehrswacht Lohr a. Main e. V., die nach der Gebietsreform im Jahre 1975 in Gebietsverkehrswacht umbenannt wurde. Zum ersten Vor-sitzenden wurde Dr. Carl Nicol gewählt. Die ersten Verkehrswachten nach dem Ende des 2. Weltkrieges hatten sich in Deutschland bereits im Jahre 1949 gegründet. Im Jahre 1950 regte die Regierung Unterfranken ihre Landkreise dazu an, Verkehrswachten ins Leben zu rufen, da sich die Probleme des zunehmenden Straßenverkehr bereits abzeichneten.

 

Schon in der Gründungsversammlung sprach Dr. Nicol aufgrund des bestehenden Straßennetzes von einem "Verkehrsengpaß Lohr". In diesem Umstand und der stetig steigenden Zahl von Verkehrsunfällen sah er die "zweifellos vorliegende Notwendigkeit, eine örtliche Verkehrswacht ins Leben zu rufen".
Die Hauptbetätigungsfelder seines neuen gemeinnützigen Vereines zur Erhöhung der allgemeinen Verkehrssicherheit sah er in der Verkehrserziehung und in der Aufklärung der Verkehrsteilnehmer.
Auch der damalige Regierungsassessor Dr. Krug erwähnte in seiner Ansprache, dass "das technische Können die moralische Kraft des Menschen weit überflügelt hat und das Verhalten im Straßenverkehr eine Charakterfrage ist. Der Klassenkampf zwischen den Verkehrsteilnehmern muss aufhören".

 

Im Laufe der Jahre entstanden innerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Gebietsverkehrswacht Lohr (Altkreis) in verschiedenen Gemeinden Ortsverkehrswachten, die spezifische örtliche Belange bzw. Probleme in die Verkehrssicherheitsarbeit miteinbezogen.
Langjährige Vorsitzende der Gebietsverkehrswacht waren der stellv. Dienststellenleiter der Lohrer Polizei, Philipp Müller (12 Jahre) und der im letzten Jahr verstorbene allseits bekannte Kommunalpolitiker und Polizeibeamte Theo Endres (20 Jahre).
Im Laufe der Jahre wurden Schulen und Kindergärten mit Verkehrserziehungsmaterial ausgestattet, Schulweghelfer ausgebildet u. ausgerüstet, Vorträge zu allen möglichen Verkehrsthemen gehalten und Aktionen in der Öffentlichkeit durchgeführt. Im Mittelpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit standen stets die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Senioren und andere Hilfsbedürftige. Die landesweite Einführung der praktischen Radfahrausbildung im Jahr 1976 in der 4. Jahrgangsstufe mit stationären bzw. mobilen Jugendverkehrsschulen untermauerte nochmals die Verkehrssicherheitsarbeit der Verkehrswacht.

 

Die Erfolge waren schnell sichtbar, da sich z. B. mit der Einführung der Schulwegdienste oder der Radfahrausbildung die Unfallstatistiken bei Schülern und Radfahrern rapide nach unten entwickelten.
So ging die Zahl der Radfahrunfälle in Bayern auf dem Schulweg um 93 Prozent zurück und die Zahl der tödlichen Schulwegunfälle um bis zu 100 Prozent (1972: 35 tote Schulkinder / 2005: 3 / 2006: keine).
Viele unterstützten daher die Verkehrswacht und machten sie zur größten Bürgerinitiative mit allein 33.000 Mitgliedern in Bayern.

 

Es bleibt zu wünschen, dass diese hart erkämpften Zahlen auch in der Zukunft nicht als selbstverständlich verstanden werden. Schließlich sehen und hören wir nach wie vor alltäglich von schlimmen Unfällen.
Häufig verursacht von Verkehrsteilnehmern, die unwissend ihre Grenzen überschritten oder fahrlässig das Leben anderer Menschen gefährdeten. Dies müsste nicht sein.
Auch die Rahmenbedingungen im modernen Straßenverkehr haben sich in manchen Bereichen (Schwerlastverkehr; Verkehrsdichte usw.) eher verschlechtert. Lohr ist hierfür ein gutes Beispiel.

 

Insofern gibt es auch in der Zukunft noch viel zu tun. Insbesondere bei gesellschaftlichen Gruppierungen, die für negative Einflüsse (Drogen; aggressive Autowerbung) besonders anfällig sind. Allerdings sind diese für die Verkehrswacht nur schwer erreichbar – als Mitglieder schon gar nicht. Also hängt der zukünftige Erfolg der Verkehrswacht von den restlichen Gruppierungen unserer Gesellschaft ab und ihrem Sinn für das Gemeinwohl. Die Mitgliederzahlen entwickeln sich jedenfalls seit einigen Jahren wie in vielen anderen gemeinnützigen Vereinen auch nach unten. Bleibt zu hoffen, dass es auch in Zukunft noch genügend Menschen gibt, die die Arbeit der Verkehrswacht unterstützen.

 

 
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